Oberliga Baden-Württemberg: SV Linx – SSV Reutlingen 05 2:2 (1:0)

Der SSV Reutlingen 05 hat seinen ersten Auswärtspunkt eingefahren. Trotz zeitweiser doppelter Unterzahl erkämpften sich die Kreuzeichekicker nach einem 2:0-Rückstand noch ein 2:2 Unentschieden beim SV Linx. Beide Tore erzielte Frederick Mohr.

Eigentlich lautete die Zielvorgabe heute eindeutig, das Spiel zu gewinnen. Das funktionierte nicht ganz. Und dennoch feierten Mannschaft und Anhang des SSV den Punktgewinn fast wie einen Sieg. Verständlicherweise, wenn man den Spielverlauf betrachtet. Denn das Spiel hatte kaum begonnen, da klingelte es bereits im Tor des SSV. Adrian Vollmer kam im Strafraum völlig frei zum Schuss und verwertete eine Flanke mit dem ersten Angriff der Hausherren direkt zum 1:0 (4.). „Das haben wir uns natürlich anders vorgestellt. Da war der Matchplan gleich dahin“, rekapitulierte der spätere Torschütze Frederick Mohr. „Danach mussten wir uns erstmal neu sortieren.“

SSV mit mehr Spielanteilen

Nach dem ersten Schock kam der SSV aber gut ins Spiel. Bereits in der ersten Halbzeit war der SSV am Drücker, erspielte sich immer wieder gute Chancen. Tim Schwaiger prüfte den Linxer Torwart Sinan Süme mit einem Schuss (23.). Onesi Kuengienda, der heute für Willie Sauerborn in der Startelf stand, verpasste nach einer halben Stunde knapp (30.), Pierre Eiberger schoss in Minute 33 über das Tor, und auch Jonas Preuß hatte eine dicke Möglichkeit (37.). Auf der Gegenseite hielt Enrico Piu einen Seitfallzieher von Vollmer. Kurz, der SSV hatte mehr vom Spiel, allein die Tore fehlten. Mal wieder. Kurz vor der Pause dann der nächste Schock: Reutlingens Kapitän Eiberger, der bereits in Minute sieben gelb gesehen hatte, sah wegen unsportlichen Verhaltens die gelb-rote Karte. So ging es mit einem 1:0-Rückstand und einem Mann weniger in die Pause.

SSV wird offensiver

Zur zweiten Halbzeit wechselte SSV-Coach Maik Schütt zum ersten Mal aus. Für Armin Zukic kam mit Willie Sauerborn ein weiterer Stürmer. „Dass er nicht in der Startelf stand, hatte taktische Gründe“, erläuterte Schütt. „Er hatte etwas erschöpft gewirkt. Jonas Preuß war vorne agiler.“ Doch als Sauerborn dann spielte, tat er das mit großem Einsatz. Später kamen bei einem Doppelwechsel auch Arbnor Nuraj und Noah Ganaus ins Spiel (75.). Kurz zuvor hatte Samuel Mayer eine dicke Chance, als er im Strafraum bedrängt den Ball knapp am Tor vorbeischob (62.). Auch Sauerborn verfehlte nach einem Freistoß von Tim Schwaiger das Tor nur knapp (72.). Doch auch Linx kam zu Chancen. Zweimal musste Reutlingens Schlussmann Enrico Piu klären. In Minute 76 rettete zudem Frederick Mohr in höchster Not. Dann war wieder der SSV am Drücker. Ganaus (78.) und Mayer (79.) hätten jeweils den Ausgleich erzielen müssen, scheiterten jedoch.

Rot für Nuraj

Die Hoffnungen der Reutlinger erhielten jedoch schwere Dämpfer. Zunächst flog der gerade erst eingewechselte Nuraj mit Rot vom Platz. Über den Grund rätselte man lange. „Nachgetreten“, begründete Schiedsrichter Stefan Ebe (Friedrichshafen) seine Entscheidung nach dem Spiel. Eine mindestens zweifelhafte Entscheidung, ebenso wie bereits der Platzverweis von Eiberger und wenig später der des Linxers Kemal Sert (83.), sowie einige andere gelbe Karten. Der roten Karte gegen Nuraj folgte ein Freistoß, bei dem Reutlingens Schlussmann Piu ausnahmsweise nicht gut aussah. 2:0 und zwei Mann weniger auf dem Platz war die Bilanz.

SSV willensstark zum Ausgleich

Wer allerdings dachte, die Reutlinger würden jetzt die Köpfe hängen lassen, sah sich getäuscht. Schütt löste die Abwehrreihen auf, der SSV warf alles nach vorne. Bereits in Minute 83 hatte Abwehrspieler Mohr eine dicke Chance, als er nur das Außennetz traf. Sieben Minuten später machte er es dann besser, als er einen Nachschuss abstaubte und zum 2:1-Anschluss traf. Bereits in der Nachspielzeit rettete Piu gegen Marc Rubio und hielt damit die Reutlinger Hoffnung am Leben. „Enrico hat ein klasse Spiel gemacht, der hat uns heute den Arsch gerettet“ , bekam er ein Extralob von Preuß.

Ein Punkt für die Mo(h)ral

Doch noch war das Spiel nicht vorbei. Der SSV stürmte weiter was das Zeug hielt. In Minute 94 bediente Sauerborn Mohr, der erneut vor dem Tor aufgetaucht war. Mohr hielt den Kopf hin – und versenkte zum Ausgleich. In der letzten Szene hätte Mayer eventuell sogar die Chance auf den Siegtreffer herausspielen können, doch Schiedsrichter Ebe pfiff den letzten Angriff ab. So hieß es am Ende 2:2. Der SSV hatte einen 2:0-Rückstand wettgemacht und in Unterzahl einen Punkt erkämpft. Trainer Maik Schütt machte seiner Mannschaft ein „Riesenkompliment“: „Das war heute der pure Wille. Nach dem 2:0 hatte keiner mehr was auf der Rechnung, aber jeder Einzelne hat heute gekämpft. Das war Gold wert für die Moral.“ Und auch Preuß war erleichtert: „Das war wichtig, das gibt uns wieder Selbstvertrauen.“

So spielten sie:

SV Linx: Süme – Feist, Gülsoy, Recht, Vollmer, Mahidi (68. Ruiz), Joseph, Sepp (77. Rubio), Schwenk, Wehrle (61. Lux), Sert

SSV Reutlingen 05: Piu – Staiger (75. Nuraj), Jäger, Eiberger, Tuksar (75. Ganaus), Mayer, Mohr, Schwaiger, Preuß, Zukic (46. Sauerborn), Kuengienda (78. Küley)

Tore: 1:0 Vollmer (4.), 2:0 Ruiz (80.), 2:1 Mohr (90.), 2:2 Mohr (90.+4)

Schiedsrichter: Stefan Ebe (Friedrichshafen)

12.09.2020 (svolk)

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