Unser Spieler Luca Wöhrle ist nicht nur Fußballer, sondern hat auch einen ganz normalen Beruf. Bevor es abends ins Training geht, arbeitet Luca im Betrieb seines Vaters Uwe Wöhrle bei der Wöhrle Strom­versorgungssysteme GmbH. Wir haben mit beiden über ihren Alltag und den SSV Reutlingen gesprochen.

SSV Reutlingen: Hallo und herzlich willkommen zu unserer kleinen Interviewrunde. Unser Spieler Luca Wöhrle und sein Vater beziehungsweise unser Partner Uwe Wöhrle stellen sich heute unseren Fragen. Fangen wir direkt mit Dir, Luca, an: Erzähle uns doch mal, wie Du als Spieler die Pandemie erlebt hast, wie Du Dich über die Monate fit gehalten hast und welche Nach- oder vielleicht ja sogar Vorteile sich daraus ergeben haben.

Luca Wöhrle: Anfangs war die Pandemie für mich persönlich von Vorteil, weil ich so nach meiner Rückkehr zum SSV meine Achillessehnenverletzung in Ruhe komplett auskurieren konnte. Dann wurden es allerdings zähe sieben Monate, weil die Saison nach nur zwei Einsätzen von mir abgebrochen werden musste. Schwierig war die Unsicherheit, wann und wie es weitergehen wird. Doch auch ohne ein konkretes Ziel vor Augen zu haben, habe ich gut gearbeitet, teilweise auch mit einzelnen Mitspielern. Jedenfalls bin ich absolut froh darüber und hoch motiviert, dass es in der neuen Saison weitergeht.

SSV: Wie sah Euer Training in dieser Zeit denn genau aus? Habt Ihr auch Athletiktraining betrieben oder habt Ihr Euch nur mit Laufen fit gehalten?

Luca Wöhrle: Ich hatte immer ein Wochenprogramm vorgenommen, da waren sowohl Athletik- als auch Laufeinheiten eingeplant. Aber auch auf dem Platz habe ich zusammen mit Tim Schwaiger trainiert und so zumindest im Ansatz die Freude am Fußballspielen erhalten und erleben können. Natürlich bin ich trotzdem sehr froh darüber, jetzt wieder mit der Mannschaft trainieren zu können.

SSV: Das kann vermutlich jeder gut nachvollziehen. Kommen wir zu Deinem Vater. Herr Wöhrle, Sie fiebern ja auch selbst immer wieder im Stadion mit. Erzählen Sie uns doch mal, wie Luca zum Fußball kam und wie es sich auf Ihr Leben auswirkt einen Sohn zu haben, der so “hochklassig” spielt.

Uwe Wöhrle: Luca hat schon mit fünf Jahren mit dem Vereinsfußball begonnen, auch weil ich selbst früher gespielt hatte. Sein Bambini-Trainer hatte bereits angeregt, dass Luca mit den älteren Jungs mitkicken sollte, da war er mit Abstand der Jüngste. Aber auch außerhalb des Vereins waren die Jungs unentwegt kicken, entweder bei uns im Hof oder im Hof des benachbarten Getränkehändlers. Mit der Konsequenz, dass immer wieder Fensterscheiben oder Rollläden ersetzt werden mussten. Entscheidend war aber schon die sehr gute Arbeit des Steinenbronner Bambini-Trainers, ein ehemaliger Mannschaftskamerad von mir, der sehr engagiert und ambitioniert arbeitete. In der E- und D-Jugend, bevor Luca dann zum VfB ging, war die Truppe in der Halle hinter Feuerbach (damals mit Serge Gnabry) und dem VfB das drittstärkste Hallenteam im Bezirk Stuttgart. Dabei hatten sie regelmäßig die Stuttgarter Kickers vom Platz gefegt und auch den VfB II und alle anderen Mannschaften hinter sich gelassen. Später bin ich dann auf eigenen Wunsch auch noch in das Trainerteam mit eingestiegen, das war wirklich eine klasse Zeit.

SSV: Sicher auch unvergesslich, diese Erfolge. Neben Ihrer Rolle als stolzer Vater sind Sie ja auch Inhaber der Wöhrle Stromversorgung GmbH, in der auch Luca arbeitet. Wie bekommen Sie die Belange des Sports und des Betriebs unter einen Hut? Sie sind ja Vater und zugleich Arbeitgeber.

Uwe Wöhrle: Da trenne ich ganz strikt. Von Familienmitgliedern erwarte ich grundsätzlich mehr, als von anderen Mitarbeitern und das wissen die auch. Nur durch mehr Leistung und auch Wirkung kann dieses Konstrukt funktionieren. Das ist auch nicht verhandelbar. Wie im Sport auch erfordert die Arbeit hohe Disziplin und eine klare Zielrichtung. Sowohl Luca, als auch meine Tochter, die ebenfalls im Unternehmen arbeitet, wissen das. Nur so können sich auch Freiräume wie beispielsweise für den Sport ergeben.

SSV: Also gibt es den Chef Uwe Wöhrle, der ein strenges Regiment führt und daneben den Papa?

Uwe Wöhrle: Es ist gar nicht erforderlich, ein strenges Regiment zu führen. Alle Mitarbeitenden, also auch meine Kinder, wissen, was ich von Ihnen erwarte um am hart umkämpften Markt als eher kleines Unternehmen gegen große und übermächtige Konkurrenten bestehen zu können. Wichtig ist, dass das alle verinnerlichen, ganz ohne strenges Regiment. Genau da liegt unsere Chance, dass wir flexibel sind und mit hohem Einsatz arbeiten.

Zuhause gibt es dann den Papa, diese Trennung muss es geben. Natürlich wird auch bei der Arbeit über Fußball gesprochen, das Geschäft steht hier aber im Mittelpunkt und das ist auch allen im Betrieb klar.

SSV: Okay, so stellt sich das also aus der Chefperspektive dar. Luca, wie siehst Du das denn als Mitarbeiter von Wöhrle Stromversorgung? Wie sind für Dich die Arbeit und der Fußball miteinander vereinbar? Was sind denn Eure genauen Aufgaben und welche Tätigkeiten führst Du speziell aus?

Luca Wöhrle: Ich habe die Möglichkeit bei Wöhrle Stromversorgung ein duales Masterstudium zu absolvieren, was in einem großen Konzern sicher nicht so einfach mit dem Fußball unter einen Hut zu bekommen wäre – dafür bin ich sehr dankbar. Bei anstehenden Prüfungen ist es schon sehr stressig, trotz des vielen Lernens und der Arbeit noch ausreichend Zeit für Training und Spiele zu finden. Momentan arbeite ich halbtags, dazu kommen Vorlesungen, die zumeist freitags und samstags stattfinden. Für Vorlesungstermine an anderen Wochentagen muss ich dann Urlaub nehmen, das habe ich aber ganz gut im Griff. Aktuell schreibe ich an meiner Masterarbeit über den Betrieb Wöhrle, daher waren die letzten Wochen jetzt doch ganz schön anstrengend

SSV: Vorlesungen samstags? Das wird dann aber ganz schön tricky mit den anstehenden Spielen, oder? Kannst Du uns außerdem kurz umreißen, was Wöhrle denn genau macht?

Luca Wöhrle: Das Thema Samstagsvorlesungen ist tatsächlich nicht ganz so einfach. Ich konnte da von meinen Kommilitonen profitieren, die mich mit den versäumten Informationen gut versorgt haben, wenn ich am Spieltag nicht anwesend sein konnte. Da ist dann sogar die Pandemie ein gewisser Vorteil, weil zum einen natürlich viele Spiele ausgefallen sind und zum anderen die Vorlesungen zu einem großen Teil online stattgefunden haben, sodass ich daran teilnehmen konnte.

Wöhrles wichtigster, aber nicht einziger Geschäftsbereich sind sogenannte USV-Anlagen (=unterbrechungsfreie Stromversorgung, Red.). Mit denen kann beispielsweise sichergestellt werden, dass Operationen in Kliniken auch bei einem Stromausfall fortgeführt werden können.

Uwe Wöhrle: Wir sind ein Anbieter von leistungsstarken Stromversorgungen, hauptsächlich unterbrechungsfreie Stromversorgungen, die in den Bereichen IT, Industrie, Gesundheitsversorgung und öffentliche Einrichtungen zum Einsatz kommen. Daneben bieten wir Sonderapplikationen wie DC-USV-Anlagen, Netzgeräte und Transformatoren inklusive umfassendem Service. Im Grunde sind wir überall da tätig, wo ein Stromausfall nicht tragbar ist, das ist unsere Nische.

SSV: Dankeschön, speziell das Beispiel mit den operierenden Ärzten zeigt eindrücklich, wann es von elementarer Bedeutung ist, dass die Stromversorgung auch bei einem allgemeinen Stromausfall aufrecht erhalten werden muss. Kommen wir zum Abschluss noch zu den sportlichen Aussichten: Im Team gab es eine vergleichsweise geringe Fluktuation, der Kern der Mannschaft konnte gehalten werden. Was sind denn Deine Eindrücke aus dem Training? Wie ist die Stimmung im Team und was sind Eure beziehungsweise Deine persönlichen Ziele für die anstehende Runde?

Luca Wöhrle: An der Stelle möchte ich den Verantwortlichen ein Lob aussprechen, dass der Kader weitgehend zusammengehalten werden konnte. Zu den neuen Spielern kann ich jetzt noch nicht so viel sagen, generell haben wir aber eine gute Stimmung im Team – die Chemie stimmt. Meine persönlichen Ziele sind es, kein Spiel zu verlieren und am besten alle zu gewinnen. Ich bin einfach ein ganz schlechter Verlierer. Nach einer Niederlage ist für mich das ganze Wochenende gelaufen. Das ist natürlich ein hochgestecktes Ziel, aber lieber zu hoch, als zu niedrig. Innerhalb der Mannschaft haben wir noch keine Ziele ausgegeben, aber fest steht schon, dass wir eine möglichst sorgenfreie Saison spielen wollen und dabei auch noch einen begeisternden und mitreißenden Fußball zeigen wollen.

SSV: Danke, da freuen wir uns schon drauf. Herr Wöhrle, zuletzt konnten Sie und Ihre Familie ja nicht so oft im Stadion sein und wir hoffen, das in der neuen Saison nachholen zu können. Worauf freuen Sie sich denn am meisten mit Blick auf die kommende Runde?

Interview Uwe und Luca Wöhrle SSV Reutlingen

Uwe Wöhrle: Sicherlich besonders auf die Derbys mit den Stuttgarter Kickers, aber eigentlich freue ich mich auf jedes Spiel. Die Atmosphäre im Stadion hilft auch immer gut dabei, den beruflichen Stress mal ausblenden zu können. Dabei stimmt mich der eingeschlagene Weg, auf junge Spieler und Weiterentwicklung zu setzen, sehr positiv. Die Mischung aus Erfahrung und hungrigen Jungen passt, die Mannschaft ist gewachsen und gefestigt. Gepaart mit dem engagierten Trainerteam und der eingekehrten Ruhe im Umfeld, traue ich der Mannschaft am Ende durchaus einen einstelligen Tabellenplatz zu.

SSV: Wir dürfen gespannt sein! Abschließend wünschen wir für das kommende Jahr sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg und bedanken uns ganz herzlich für Ihre und Deine Zeit für das Interview.

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