SSV Reutlingen schlägt sich trotz Verletztenmisere achtbar. Individuelle Klasse des SGV Freiberg entscheidet das Spiel.

Mit 0:3 (0:1) unterlag der SSV Reutlingen am 24. Spieltag der Oberliga Baden-Württemberg dem SGV Freiberg. 13 verletzte Spieler ließen im Vorfeld der Begegnung nicht viel erwarten. Dennoch zeigte die Rumpfelf eine kämpferisch sehr ansprechende Leistung. In puncto Zweikampfführung waren sie dabei den favorisierten Gästen sogar überlegen. Der SSV konnte die Partie lange Zeit offen gestalten und hatte eine hochkarätige Chance zum Ausgleich Mitte der zweiten Halbzeit. Insgesamt ging der Sieg für die individuell deutlich besser besetzten Gäste aber eindeutig in Ordnung. “Wir haben uns gut verkauft, ein 0:2 wäre dem Spielverlauf entsprechender gewesen.“, merkte Frederick Mohr nach dem Schlusspfiff an. Im Vorfeld der Begegnung lehnten die Gäste – trotz grundsätzlicher Bereitschaft des Verbandes – eine Anfrage des SSV Reutlingen ab, das Spiel zu verlegen. Das ist gemäß den Statuten natürlich legitim, sagt aber auch auch einiges über die Wertekultur aus.

Wackeliger Beginn

Die Nullfünfer begannen überaus nervös und benötigten einige Minuten um ins Spiel zu finden. Freiberg ließ den Ball zunächst laufen, drang auch immer wieder in den Reutlinger Strafraum ein, entwickelte dabei aber keine echte Torgefahr. Während die Hausherren zunächst ausschließlich auf lange Bälle setzten, konnten sie sich im Verlauf der Anfangsviertelstunde zunehmend vom Druck der Gäste befreien. Nach etwa 20 Spielminuten, waren die Kreuzeichekicker im Spiel angekommen und entwickelten ihrerseits Zug zum gegnerischen Tor. Eine scharfe Hereingabe von Tuksar, die Djermanovic knapp verpasste, war folglich auch die erste nennenswerte Szene des Spiels (24.).

Rückstand nach erster Gästechance

Nur drei Minuten später erzielte Marco Grüttner das 0:1 – quasi aus dem Nichts – für die Gäste. Nach einer weitergeleiteten Ecke, konnte er aus kurzer Distanz einnetzen. “Nils Staiger wird vor diesem Eckball eindeutig am Trikot festgehalten. Da muss er cleverer agieren, und sich auch einfach mal fallenlassen und schreien. Dann gibt es Freistoß für uns statt Eckball für die Gäste.“, haderte Schütt. Bis dahin blieben die favorisierten Gäste aus Freiberg doch eher harmlos. In den Strafraum konnten sie praktisch nur mit hohen Bällen eindringen. Ein Durchkombinieren verhinderte die vielbeinige Defensive des SSV ein ums andere Mal.

SSV wenig beeindruckt

Reutlingen war vom überraschenden Rückstand aber nicht geschockt. Die Gäste zwar weiterhin mit deutlich mehr Spielanteilen, das aggressivere Zweikampfverhalten zeigte aber der SSV. Luca Lehnert zog nach einer gefühlvollen Flanke aus 18 Metern mit vollem Risiko ab, sein Ball strich aber mit Wucht wenige Zentimeter über die Latte (34.) – das war knapp. Kurz vor der Pause dann noch eine Halbchance für die Gäste, Marcel Sökler kam jedoch einen Schritt zu spät (44.). Zu diesem Zeitpunkt schien die Führung der Gäste fast schon schmeichelhaft. Der SSV mit viel Einsatz und Leidenschaft, aber natürlich auch mit der schwächeren Spielanlage.

Freiberg drückt

Freiberg kam mit viel Druck aus der Kabine und drängte auf die Vorentscheidung. Offenbar hatte Coach Evangelos Sbonias seinem Starensemble in der Pause den Marsch geblasen. Markopolos scheiterte am glänzend parierenden Piu (47.), Grüttners Kopfball ging dann knapp daneben (49.). Nach dem Pfostenknaller von Sökler (50.) hatten die Gäste in den nächsten Minuten weitere gute Einschussmöglichkeiten (53., 59.). In dieser Phase des Spiels hatte der SSV Glück, nicht bereits deutlicher zurückzuliegen. In diesen Minuten ließen die Freiberger aufblitzen, warum sie das stärkste Team der Liga sind.

Reutlingen mit Chancen zum Ausgleich

Dieser Chancenwucher der Gäste hätte sich dann fast noch gerächt: Dautaj blieb am Strafraumeck zu eigensinnig am Gegner hängen, statt den in der Mitte völlig freistehenden Djermanovic zu bedienen. Der stand mutterseelenallein zentral 14 Meter vor dem Freiberger Gehäuse – die beste Reutlinger Chance des gesamten Spiels (64.). Nur wenig später schickt wiederum Dautaj Kuengienda, der am Elfmeterpunkt in letzter Sekunde am Einschluss gehindert werden konnte. Der SSV war in dieser Spielphase am Drücker.

Entscheidung für Freiberg

Ein Sonntagsschuss von Sökler aus 17 Metern direkt in den Winkel sorgte dann für die Vorentscheidung (71.). In der einzig strittigen Szene des Spiels entschied der ansonsten umsichtig leitende Referee auf Tor von Jonathan Zinram (77.). Piu hatte den Ball offenbar hinter der Linie gehalten – ein knappes Ding. Reutlingen in der Folge weiterhin bemüht, doch noch den Anschlusstreffer zu erzielen. Die Angriffsbemühungen waren aber zu unpräzise, so dass das Spiel praktisch entschieden war. Nach 89 Minuten war dann Schluss an der Kreuzeiche. Die überaus faire Partie (nur eine gelbe Karte für Reutlingen und eine für den Freiberger Trainer) lieferte auch kaum Anlass für Nachspielzeit, entschieden war sie ohnehin schon deutlich zuvor.

Fazit und Ausblick

Der SSV Reutlingen verliert gegen den Ligaprimus aus Freiberg. Der Gästesieg geht in Ordnung, hätte aber auch knapper ausfallen können. Wäre Reutlingen nach rund einer Stunde der Ausgleich gelungen, hätte sogar etwas Zählbares für die Heimmannschaft herauskommen können. “Es ist uns nicht gelungen, Torchancen heraus zu spielen. Der Mannschaft kann ich heute aber keinen Vorwurf machen, Einstellung und Wille haben gestimmt.“, bilanzierte der Reutlinger Kommandogeber. Und weiter: “Wir konnten diesen Donnerstag nur mit neun Feldspielern und einem Torspieler trainieren. Wir wollen nicht jammern, aber müssen gleichzeitig auch Rücksicht auf die U19 nehmen, die ihrerseits noch um den Aufstieg kämpft. Das schwächt auch die. Daher hoffe ich auf die schnelle Rückkehr einiger Spieler. Noch kein Heimtor erzielt zu haben ist eine schlechte Bilanz für die Rückrunde. Nächste Woche erwartet uns ein richtungsweisendes Auswärtsspiel.” In der Tat können die Reutlinger auf eine gute kämpferische Leistung heute stolz sein. Trotzdem stehen die Nullfünfer nun unter Druck und müssen die nächste Partie für sich entscheiden. Am kommenden Samstag um 14 Uhr in Dorfmerkingen sind drei Punkte praktisch Pflicht. Freiberg war heute sicher nicht der Gradmesser für ein Team, das um den Klassenerhalt kämpft. Es stimmt aber optimistisch, dass der SSV lange Zeit Paroli bieten konnte. Entscheidend wird sein, ob das Team dann wieder die Leidenschaft und Kampfbereitschaft auf den Platz bringen kann, die sie heute gezeigt hat. Dazu braucht es mehr Kaltschnäuzigkeit im Abschluss und das Quäntchen Glück, das zuletzt häufig fehlte.

So spielten sie

SSV Reutlingen: Piu – Staiger, L. Preuß, Dautaj (84. Leyhr), Wöhrle, Tuksar, Lennerth, Mohr, Djermanovic (78. Sanyang), Krajinovic (89. Ioannidis), Kuengienda (72. Meixner)

SGV Freiberg: Burkhardt – Ikpide, Sökler (75. Kutlu), Kehl-Gomez (78. Zant), Grüttner, Markopoulos, Thermann (78. Klauß), Hoffmann, Mauersberger (63. Zinram), Rinaldi, Velagic

Tore: 0:1 Grüttner (27.), 0:2 Sökler (71.), 0:3 Zinram (77.)

Zuschauer: 455

Schiedsrichter: Bartschat, Assistenten: Lorenz, Schwind

(12.03.2022 dibe)

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