Am 27. Mai 2026 erschien im Reutlinger General-Anzeiger ein Kommentar von GEA-Chefredakteur Kaya Egenberger mit dem Titel »Damit schadet der SSV Reutlingen dem Sport und dem Verein«. Darin wird die Personalie Mert Özkan kritisch bewertet und gleichzeitig ein negatives Gesamtbild des SSV Reutlingen 05 konstruiert. Da hierbei aus unserer Sicht zahlreiche Themen vermischt, Entwicklungen bewusst ausgeblendet und Zusammenhänge verzerrt dargestellt werden, möchten wir hierzu klar Stellung beziehen.
Klare Haltung zu den damaligen Vorfällen
Uns war selbstverständlich bewusst, dass die Personalie Mert Özkan polarisiert und kritisch betrachtet werden muss. Auch wir bewerten das damalige Verhalten klar negativ. Die Vorfälle entsprechen weder unseren Werten noch dem, wofür Fußball stehen sollte. Genau deshalb haben wir intern intensive Gespräche geführt und unsere Haltung auch gegenüber Mert Özkan selbst klar kommuniziert.
Gleichzeitig gehört zur Wahrheit aber auch dazu, dass Mert Özkan zum Zeitpunkt der damaligen Vorfälle weder Teil des SSV Reutlingen 05 war noch unser Verein an den betreffenden Spielen beteiligt gewesen ist. Trotzdem entsteht aktuell teilweise der Eindruck, als würden sämtliche damaligen Vorgänge direkt dem heutigen SSV Reutlingen 05 zugerechnet werden. Genau diese Vermischung ist aus unserer Sicht schlicht hanebüchen.
Vertrauensvorschuss statt Relativierung
Wir geben bewusst einen Vertrauensvorschuss. Nicht blind oder naiv, sondern innerhalb klarer Leitplanken, transparenter Kommunikation und enger Begleitung durch unsere Vereinsstrukturen. Uns geht es nicht darum, Dinge auszublenden, sondern darum, Entwicklungen zu ermöglichen.
Kritik an der Personalie ist legitim. Die Konstruktion eines moralischen Komplettversagens des gesamten Vereins dagegen nicht.
Hinzu kommt, dass die tatsächliche Rolle innerhalb des Projekts bewusst anders dargestellt wird, als sie real ist. Mert Özkan wurde weder als Spieler verpflichtet noch als öffentliches Gesicht des Vereins aufgebaut, sondern unterstützt die Aufbauarbeit rund um die zweite Mannschaft gemeinsam mit Onesi Kuengienda. Genau diese Einordnung wurde gegenüber dem GEA auch klar kommuniziert und trotzdem im Kommentar nahezu vollständig ausgeblendet, um die größtmögliche Emotionalisierung zu erzeugen.
Bewusste Vermischung alter Themen
Spätestens an den Stellen, an denen plötzlich alte Lizenzthemen, frühere Vereinsphasen oder sonstige Themen aus völlig anderen Zeiten hervorgeholt werden, wird deutlich, worum es hier eigentlich geht: maximale Zuspitzung.
Was ein früherer Zwangsabstieg oder längst vergangene Diskussionen mit der heutigen Rolle eines unterstützenden Co-Trainers der zweiten Mannschaft zu tun haben sollen, bleibt dabei offen. Genau diese Vermischung sorgt seit Jahren dafür, dass alte Narrative künstlich weitergetragen werden, obwohl sich der Verein in vielen Bereichen längst massiv verändert hat.
Dabei wird bewusst ausgeblendet, dass sich der handelnde Personenkreis innerhalb des Vereins in den vergangenen Jahren mehrfach verändert hat und Verantwortlichkeiten immer anhand konkreten Handelns einzelner Personen bewertet werden müssen und nicht pauschal anhand eines Vereinsnamens. Gerade als Reaktion auf frühere Themen und Entwicklungen wurden innerhalb des SSV Reutlingen 05 bewusst neue Leitbilder, klare Strukturen und ein anderes Selbstverständnis geschaffen, die heute aktiv gelebt und umgesetzt werden. Genau diese Entwicklung zeigt mittlerweile auch spürbar Wirkung, sowohl intern als auch im gesamten Vereinsumfeld.
Gesellschaftliche Verantwortung wird ausgeblendet
Noch interessanter wird es, wenn dem SSV Reutlingen 05 öffentlich mangelnder Respekt oder fehlende Verantwortung vorgeworfen wird, während gleichzeitig gesellschaftliches Engagement, Präventionsarbeit und soziale Projekte konsequent ausgeblendet werden.
Der Verein investiert seit Jahren massiv in Jugend- und Sozialarbeit, Präventionsstrukturen und gesellschaftliche Verantwortung. Mit unserem Schutzprogramm »Platzhirsch« haben wir als einer der ersten Vereine der Region bewusst ein eigenes Konzept geschaffen, das sich aktiv mit Themen wie Respekt, Verhalten, Verantwortung, Grenzüberschreitungen und Schutz innerhalb des Vereinsumfelds auseinandersetzt. Dieses Leitbild ist nicht zufällig entstanden, sondern auch als bewusste Reaktion auf frühere Entwicklungen im Fußball allgemein und innerhalb von Vereinsstrukturen.
Dass ein Verein, der genau solche Themen offensiv angeht und klare Strukturen schafft, nun pauschal als Gegner von Fairplay und Verantwortung dargestellt wird, wirkt deshalb mindestens widersprüchlich. Denn nachhaltige Vereinsarbeit, soziale Verantwortung oder erfolgreiche Präventionskonzepte füllen eben deutlich seltener Kommentarspalten als maximal emotionalisierte Schlagzeilen. Genau darin liegt mittlerweile vermutlich auch ein Teil des Problems klassischer Medien.
Auffällige Wiederholungen
Fast schon amüsant ist dabei der Umstand, dass nahezu exakt vor einem Jahr bereits ein ähnlich polemischer Kommentar inklusive entsprechender Fehler veröffentlicht wurde, den wir damals ebenfalls per Stellungnahme einordnen mussten. Offenbar scheint rund um Saisonenden regelmäßig etwas wenig Futter vorhanden zu sein. Dieses Jahr möglicherweise sogar noch etwas mehr, weil der SSV Reutlingen 05 aktuell schlicht zu viele positive Entwicklungen produziert.
Dabei sehen wir bereits jetzt eine massive positive Entwicklung rund um die zweite Mannschaft. Die Dynamik, Identifikation und Energie, die dort aktuell entsteht, wird von vielen Beteiligten äußerst positiv wahrgenommen. Genau diese Entwicklung findet im Kommentar allerdings selbstverständlich keinen Platz, weil sie nicht zur gewünschten Schlagzeile passt.
Unser Weg bleibt klar
Umso mehr nehmen wir den aktuellen Kommentar daher vor allem als Bestätigung unserer Arbeit wahr. Offenbar ist inzwischen so wenig aus früheren Zeiten übrig geblieben, dass man gezwungen ist, aus einzelnen Personalien eine grundsätzliche Debatte über den gesamten Verein zu konstruieren. Der SSV Reutlingen 05 wird seinen Weg dennoch konsequent weitergehen. Mit klaren Werten, klaren Strukturen und dem Anspruch, gesellschaftliche Verantwortung nicht nur zu kommentieren, sondern tatsächlich zu leben.
Sascha Schneider
1. Vorsitzender SSV Reutlingen 1905 Fußball e.V.