SSV Reutlingen wacht zu spät auf

Die Reutlinger Spieler stapften mit gesenkten Köpfen in die Kabine im Villinger Friedengrund. »Wir haben die erste Halbzeit verschlafen«, sagte der SSV-Torschütze Filip Milisic. Nach der Pause zeigten die Reutlinger Oberliga-Fußballer eine ordentliche Leistung, zur Wende kam es allerdings nicht mehr. Der SSV musste sich beim FC 08 Villingen mit 1:2 (0:2) geschlagen geben und rutschte in der Tabelle auf den zwölften Platz ab. Spätestens seit diesem Wochenende befindet sich der Kreuzeiche-Club im Abstiegskampf. Wieder einmal.

»Villingen war in der ersten Halbzeit bissiger und hat fast jeden Zweikampf gewonnen«, stellte Reutlingens Sportlicher Leiter Giuseppe Ricciardi zerknirscht fest. Auch Trainer Andreas Rill war nicht gut auf seine Schützlinge zu sprechen. »Das ist für mich nicht erklärbar«, schimpfte das bis zur Winterpause als Kommandogeber fungierende SSV-Urgestein, »dass bei uns die Bereitschaft gefehlt hat, dagegenzuhalten und die Laufwege zu gehen«. In der Halbzeitpause habe es deshalb »eine klare Ansprache« gegeben. »Mit der Leistung in der zweiten Hälfte konnte ich leben. Einen Auftritt wie in Durchgang eins können wir uns aber nicht erlauben«, so Rill.

In den ersten 15 Minuten sahen die 1 200 Zuschauer – beim Aufsteiger gehen die Besucherzahlen nach dem Höhenflug steil nach oben – eine ausgeglichene Partie. Das lag auch an der Villinger Marschroute. »Wir wollten kontrolliert und nicht zu offensiv spielen«, erklärte Trainer Jago Maric. Der ehemalige Zweitliga-Kicker der Stuttgarter Kickers hatte Respekt vor den Reutlingern, die in ihren ersten fünf Auswärtsspielen ohne Niederlage blieben, nun aber bereits die dritte Partie in Folge in der Fremde verlor.

Die nun auf Position zwei rangierenden Villinger gaben nach einer Viertelstunde mehr Gas und stürzten den SSV von einer Verlegenheit in die nächste. Benedikt Haibt und Nedzad Plavci vergaben sehr gute Möglichkeiten, ehe Damian Kaminski in der 25. Minute nach einer Ecke von Plavci per Kopf zum 1:0 traf. Die Reutlinger hatten sich noch nicht richtig durchgeschüttelt, da stand es bereits 2:0. Torschütze in der 27. Minute war nach einem Konterangriff erneut Kaminski. In der 42. Minute gab es den ersten gefährlichen SSV-Angriff. Dirk Predigers Schuss aus fünf Metern wurde abgeblockt.

Im zweiten Durchgang brachte Rill den A-Jugendlichen Marvin Pieringer für Onesi Kuengienda, der ebenso wie einige weitere Reutlinger Kicker in der ersten Halbzeit untertauchte. »Marvin war ein Lichtblick«, lobte Rill den Angreifer. In der Tat hatte Pieringer, der für die Oberliga-A-Junioren der Nullfünfer bereits zehn Tore erzielte, einige gute Aktionen, behauptete den Ball gut und hatte gute Laufwege. Der Anschlusstreffer für den SSV fiel in der 48. Minute. Nach einer Ecke von Prediger blockten die Villinger zunächst einen Schussversuch, schließlich hielt Marco di Biccari aus der zweiten Reihe drauf und Filip Milisic gab dem Schuss eine Richtungsänderung – der Ball landete unhaltbar für Keeper Cavalcanti Mendes in den Villinger Maschen. Für den Reutlinger Innenverteidiger war’s das erste Saisontor. Der SSV zeigte nun Kämpferherz und drängte auf den Ausgleich. Mehr als ein paar Halbchancen gab es allerdings nicht. Am Ende stapften die Spieler mit gesenkten Köpfen in die Kabine.

Von: Manfred Kretschmer

 

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